"Was brauchen wir eigentlich für ein gelingendes Leben?"

"Was brauchen wir eigentlich für ein gelingendes Leben?"

Audio | 20.10.2021 | Dauer: 00:06:46 | SR 2 - Jochen Erdmenger / Harald Welzer

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Der Soziologe und Sozialpsychologe Harald Welzer hat sich ausführlich mit der Frage beschäftigt, warum es vielen Menschen und Gesellschaften so schwer fällt, destruktive Gewohnheiten zu verändern und etwas ganz Neues anzufangen. Seine Überlegungen sind in sein gerade erschienenes Buch mit dem Titel "Nachruf auf mich selbst" eingeflossen. "Es ist ein Nachruf auf das zu lebende Leben", erklärte Welzer im Gespräch mit SR-Moderator Jochen Erdmenger. Es sei ihm um die Frage gegangen, wie er zur Stunde seines Todes eigentlich gelebt haben wolle. So sei er auf "so eine Art Matrix" gekommen, die helfen könne, die eigene Zukunft zu entwerfen. Mit Selbstoptimierung habe das nichts zu tun, betonte Welzer. Es gehe ihm im Gegenteil vielmehr um das Innehalten und das Nachdenken über die Frage, was einem selbst wirklich wichtig sei. "Das mal festzuhalten und zu sagen: 'Darauf kommt es an' - und nicht auf die noch tollere Kreuzfahrt". Die Ursachen für das rastlose Credo eines "Immer weiter, immer mehr" sehe er in dem Hang zur Grenzüberschreitung, der insbesondere seit der Industrialisierung zu beobachten sei. "Wir haben gar keine Idee von Endlichkeit", bemängelte Welzer. Politik und Werbung befeuerten noch immer die Idee des unendlichen Wachstums - trotz aller damit zusammenhängenden ökonomischen und ökologischen Probleme. Es sei aber an der Zeit, endlich anzuerkennen, "dass wir mit permanenter Steigerung unsere Probleme nicht lösen. Punkt", sagte Welzer. Die Frage, was wir eigentlich "für ein gelingendes Leben" bräuchten, sei aus seiner Sicht die "größte Aufgabe, die Politik und wir alle uns in der Gegenwart stellen müssen".

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