Zwischenruf vom 22.07.2026

Zwischenruf vom 22.07.2026

Audio | 22.07.2026 | Dauer: 00:01:49 | SR kultur - (c) SR

Themen

Aufschieben Was ich heute kann besorgen, verschiebe ich ziemlich zuverlässig auf morgen. Oder übermorgen. Oder nächste Woche. Ich bin Meisterin im Vor-mir-herschieben. Aufgaben, die mich aus irgendeinem Grund stressen oder unter Druck setzen, bleiben oft so lange liegen, bis ich kurz vor der Deadline alles in kürzester Zeit wunderbar erledige. Unter Druck arbeite ich gut. Aber die Belastung und der Stress, das ständige „Ich muss das endlich erledigen!“ sind es eigentlich nicht wert, denke ich jedes Mal. Würde ich die wichtigen Aufgaben einfach zwei Wochen früher erledigen, hätte ich zwei Wochen weniger Schuldgefühle. Aber so funktioniert es leider nicht, auch wenn mir schmerzlich bewusst ist, wie absurd das ist. Mittlerweile sehe ich mein Vor-mir-herschieben fast wie eine Art Superkraft. Während ich nämlich die großen Hürden erfolgreich ignoriere, laufe ich parallel in anderen Dingen zur Höchstform auf, um mich abzulenken. So kann es passieren, dass ich am Ende eines Tages, für den ich mir eigentlich vorgenommen hatte, die Steuererklärung zu machen, das ganze Haus geputzt habe. Ich war lange frustriert über mein ewiges Aufschieben. Und wie mich das belastet. Mittlerweile schätze ich meine Arbeitsweise. Ich bin nicht unstrukturiert – dieses Vor-mir-herschieben ist meine Struktur. Und der Text dieses Zwischenrufes entsteht zuverlässig strukturiert am Tag vor dem Abgabetermin. Und wieder einmal hat alles irgendwie funktioniert.

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