Geheimnis des Glaubens: Im Tod ist das Leben
Audio | 28.03.2026 | Dauer: 00:04:19 | SR kultur - (c) SR
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Es war wohl ein Versehen beim Einsortieren: Ich stehe vor dem Postkartenständer im Geschäft. Die mit den Grußkarten zu
allen möglichen Anlässen: Runder Geburtstag, Trauer, Taufe, Kommunion und so weiter. Und da finde ich in der Rubrik “Geburtstag” die schwarzen Trauerkarten: Herzliches Beileid! - Manch einer sieht wohl den eigenen Geburtstag auch eher trüb und trist. Wieder ein Jahr älter. Na dann: Aufrichtige Anteilnahme! Aber so war es natürlich nicht gedacht in dem Kartenständer. Obwohl: Freude und Trauer. Tod und Leben – so nah und so dicht beieinander – wie da im Kartenständer, so sind sie ja auch manchmal im „echten Leben“. Wie dicht liegen die da beieinander! Da macht jeder so seine eigenen Erfahrungen. Mir fiel ein Lied ein: „Geheimnis des Glaubens – im Tod ist das Leben!”, heißt es im Refrain. Ein Kirchenlied. Das Lied stammt von Lothar Zenetti, einem inzwischen verstorbenen Frankfurter Pfarrer und Dichter. Er war in der Öffentlichkeit bekannt für seine tiefsinnigen Texte, so wie der aus dem Lied: „Das Weizenkorn muss sterben, sonst bleibt es ja allein“ - mit eben dieser wiederkehrenden Refrain-Zeile: „Geheimnis des Glaubens: Im Tod ist das Leben!” Da bringt er etwas mit wenigen Worten auf den Punkt, was regalweise theologisch-dogmatische Bücher füllt. Schließlich geht es um den Kern des christlichen Glaubens: Tod und Auferstehung.
Morgen ist Palmsonntag, dann kommt die Karwoche und Ostern. Freude und Trauer, Tod und Auferstehung; Depression und Jubel. Da kommt das in einer Woche in der Kirche dicht zusammen, was auch sonst eine Menschheitserfahrung ist: Es geht um die paradoxe Erkenntnis, zumindest die begründete Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist. Es geht um den Glauben, dass Jesus auferstanden ist von den Toten; dass der Tod keinen Bestand hat; dass nicht der Tod, sondern das Leben das letzte Wort hat. Darum, dass dies auch heute noch Menschen Hoffnung macht; und Motivation und Motor ist. Trotz der Gewissheit, dass der Tod näher ist als uns lieb ist, uns alle hart trifft. Und der Tod ist auch sonst allgegenwärtig durch Kriege, Unglücke und Gewalt – in den Nachrichten, in der Familie oder in der Nachbarschaft. Und doch: Geheimnis des Glaubens – im Tod ist das Leben!
Lothar Zenetti selbst hat in seinem langen Leben viel Leid erfahren, war in Kriegsgefangenschaft und hat später als Pfarrer einer Frankfurter Gemeinde zahllose Menschen in Alter, Krankheit und Tod begleitet, stand an ihrem Grab – und hat doch offenbar das Gottvertrauen nicht verloren. Ich habe Lothar Zenetti nicht mehr persönlich kennengelernt; 2019 ist er gestorben. Vor wenigen Wochen wäre er 100 geworden. Es ist schon etwas her, da war ich auf dem Frankfurter Friedhof und hab ihn an seinem Grab besucht. Gerne hätte ich ihn gefragt, wie er das Geheimnis des Glaubens jetzt versteht, dass „im Tod das Leben“ ist. Jetzt, da er auf der anderen Seite angekommen ist. Ob er das da noch genauso sieht wie in seinen Texten. Ob es sich lohnt, dieses „Geheimnis des Glaubens“ auszuhalten, wo doch so viele Fragezeichen da sind. Natürlich konnte er mir nicht antworten, dort auf dem Friedhof in Frankfurt. Für mich bleibt es ein Geheimnis. Und es bleiben mir der Glaube und die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist. Dass es mehr gibt, als ich sehen und verstehen kann. Vielleicht ist ja alles ganz anders: Mit mehr Möglichkeiten als es im Todesdunkel einmal erscheint. Mit neuen, österlichen Horizonten. Und dann bleibt etwas über den Tod hinaus. Als österliches Geheimnis des Glaubens: Im Tod ist das Leben!
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