Zwischenruf vom 29.07.2026
Audio | 29.07.2026 | Dauer: 00:02:07 | SR kultur - (c) SR
Themen
Wenn alles zerredet wird…
Plädoyer für eine gute Kultur des Kritisierens
Da tritt ein Bürgermeister zurück, weil der in den social-media-Portalen gemobbt und auch direkt bedroht wird und weil er das nicht mehr aushält. Und zwischen den Parteien und unter gesellschaftlichen Gruppierungen wird der Ton immer rauer, aggressiver.
Da ist etwas gekippt in unserer Gesellschaft. Die Art und Weise, wie kritisiert wird, ist nicht mehr förderlich.
Ich habe den Eindruck, dass bei politischen Konzepten vorrangig die Schwachpunkte und Fehler ins Visier genommen und aufgespießt werden. Wem etwas nicht recht ist, der zerpflückt das oft unfair oder gar gnadenlos.
Das Gute daran kommt nicht richtig in den Blick. Und die immer komplexere Situation, die schwierigen Bedingungen, unter denen heute Politik gemacht werden muss, werden nicht gesehen. Auch nicht, dass Kompromisse unvermeidlich sind. Dass es die Lösung, die allen gefällt, oft gar nicht gibt.
Natürlich plädiere ich nicht dafür, zu allem „Ja und Amen“ zu sagen oder alles schönzureden. Wir brauchen in der Demokratie kritische Bürger und wachsame Medien. Wir brauchen eine Opposition, die ihren Finger in die Wunden legt, damit am Ende ein für alle besseres Ergebnis herauskommt.
Aber es kommt darauf an, wie und mit welcher Absicht die politische Arbeit kritisiert wird. Geht es gegen den anderen, wird bewusst Stimmung gemacht und manipuliert – oder dient es wirklich der Sache, den Bürgerinnen und Bürgern? Wer immer alles schlechtredet, der ist entweder mit sich selbst nicht zufrieden – oder es geht ihm nur um die eigene Macht.
Wenn mir klar ist, dass jeder seine Grenzen hat und Fehler macht, nicht nur die Politiker, sondern auch ich selbst, dann kann ich gnädiger mit den anderen sein. Dann kann ich konstruktiv kritisieren. Dadurch wird das Miteinander nicht beeinträchtigt, und es führt am Ende auch zu besseren politischen Entscheidungen.
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